Lernprozesse in Mathematik unter Berücksichtigung sprachlich-kultureller Diversität in der Grundschule

 

Oktober 2002 – Mai 2008

Promotionsprojekt im DFG-Graduiertenkolleg „Bildungsgangforschung“

 

Projektleitung:

Prof. Dr. Ingrid Gogolin, Institut für International und Interkulturell Vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg

Prof. Dr. Gabriele Kaiser, Institut für Mathematikdidaktik der Universität Hamburg

 

Promotionsstipendiant:

Marcus Schütte, Institut für Mathematikdidaktik der Universität Hamburg

 

Zum Projekt:

Das vorliegende Projekt ist dem Themenblock der fachdidaktisch und schulpädagogisch ausgerichteten Projekte des DFG_Graduiertenkollegs „Bildungsgangforschung“ zuzuordnen und diente als Promotionsprojekt von Dr. Marcus Schütte. Betreuerinnen der Promotion waren: Prof. Dr. Gabriele Kaiser, Institut für Mathematikdidaktik der Universität Hamburg, und  Prof. Dr. Ingrid Gogolin, Institut für International und Interkulturell Vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg. Externer Betreuer war Prof. Dr. Götz Krummheuer, Institut für Didaktik der Mathematik 
der Johann Wolfgang Goethe-Universität  Frankfurt am Main.

 

Zusammenfassung:

Die Schülerschaft in deutschen Schulen ist zunehmend durch Mehrsprachigkeit und unterschiedliche kulturelle Hintergründe geprägt. Hierdurch gewinnt die sprachliche Gestaltung des Mathematikunterrichts an Bedeutung. Das Dissertationsprojekt befasste sich mit dem Lernen von Mathematik unter den Bedingungen sprachlich-kultureller Heterogenität in der Jahrgangsstufe 4 und zeichnete sich durch seine interdisziplinäre tryadische Verankerung aus. Mit Hilfe von Analysemethoden der Interpretativen Unterrichtsforschung der Mathematikdidaktik wurden die aus der sprachlichen Gestaltung des Unterrichts resultierenden Gelegenheiten fachlichen Lernens unter den Bedingungen zunehmender sprachlich-kultureller Pluralität in deutschen Schulen untersucht. Eine eher ernüchternde Erkenntnis der Untersuchung ist, dass unter den Bedingungen von alltäglichem Grundschulmathematikunterricht das Potenzial sprachlicher, begriffsbezogener Aushandlungen nicht systematisch genutzt wird und eher Lehrprinzipien vorliegen, die sich unter dem Begriff einer „Impliziten Pädagogik“ (Schütte 2009, S. 187 ff.) fassen lassen. Eine solche Implizite Pädagogik ist dem Grundgedanken verhaftet, dass Schülerinnen und Schüler sich allein auf der Grundlage ihrer mitgebrachten Fähigkeiten Bedeutungen erschließen können.  Dies meint, dass das in deutscher (Bildungs-) Sprache geführte Unterrichtsgespräch systematisch auf bei den Schülerinnen und Schülern vorhandene spezifische, sprachbezogene Verstehenskompetenzen als Voraussetzung zur Partizipation setzt und diese nicht methodisch strukturiert fördert. Somit offenbaren die Ergebnisse dieses Projektes einen gesteigerten Forschungsbedarf bei der Analyse sprachbasierter früher mathematischer Lernprozesse – sei es vor, während oder nach der Grundschulzeit in der Schule, Familie oder Kita –, um  so gerade Kindern, die in mehreren Sprachen Leben und Lernen und eventuell nicht bildungsnah aufwachsen, vielfältige Gelegenheiten zum Lernen von Mathematik zu ermöglichen.

Die Ergebnisse des Projektes wurden als Dissertation veröffentlicht in: Schütte, M. (2009): Sprache und Interaktion im Mathematikunterricht der Grundschule. Zur Problematik einer Impliziten Pädagogik für schulisches Lernen im Kontext sprachlich-kultureller Pluralität. Münster u. a.: Waxmann.

 

Zum Graduiertenkolleg Bildungsgangforschung:

Durch die Integration der Fachdidaktiken in die Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg bietet sich die Gelegenheit, Bereiche in einem Forschungsprogramm miteinander zu verbinden, die in der Regel voneinander getrennt sind. Somit war ein wesentliches Charakteristikum des DFG-Graduiertenkollegs Bildungsgangforschung seine Interdisziplinarität. Problemstellungen der Fachdidaktiken wurden mit denen der Schulpädagogik, der Allgemeinen Didaktik, der Pädagogischen Psychologie, der Entwicklungspsychologie und der Sozialisationsforschung verbunden. Dies führte zu einem mehrperspektivischen Zugriff auf Schüleraktivitäten, Bildungsprozesse, Unterricht und Schulentwicklung. Im ersten Zyklus des Graduiertenkollegs Bildungsgangforschung wurden an der Universität Hamburg acht Teilprojekte gefördert und durchgeführt, die sich folgendermaßen untergliederten:

  • Projekte, die fachdidaktisch und schulpädagogisch ausgerichtet waren,
  • Projekte, die entwicklungspsychologische und entwicklungssoziologische Zugänge hatten und
  • Ein Projekt, in dessen Zentrum das Thema Schulentwicklung stand.

In diesem Rahmen wurden Qualifikationsarbeiten von 14 Doktorandinnen und Doktoranden und zwei Postdoktoranden durchgeführt.