Die Genese mathematischer Sprachlichkeit (Gen mS)

Seit Oktober 2010


Projektleiter

Dr. Marcus Schütte, Institut für Didaktik der Mathematik und Informatik, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Senckenberganlage 11, 60235 Frankfurt am Main

 

Studentische Hilfskräfte

Jennifer von der Weiden

Aileen Witte


Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund der anhaltenden gesellschaftlichen Diskussion über Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem wird in dem geplanten Projekt die Beziehung zwischen Sprache und dem Lernen im Fachunterricht in den Blick genommen. In diesem Zusammenhang erlangt das Fach Mathematik große Bedeutung, da es neben dem Fach Deutsch die größte selektive Funktion beim Übergang zu den weiterführenden Schulformen hat. Durch einen quasi-longitudinalen Vergleich der PISA-Studie 2003 und von IGLU (Bos et al. 2003) lässt sich Folgendes konstatieren: Ein entscheidender Ansatz, um nicht nur die Bildungschancen von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und denen mit niedrigerem soziökonomischen Status in deutschen Schulen zu verbessern, sondern von allen Lernenden, scheint es zu sein, ihren Zugang zur Sprache und den Regeln der Interaktion im Unterricht zu verbessern (s. a. Heinze und Rudolph 2008).  Das geplante Forschungsvorhaben zielt somit auf die Analyse der Entwicklung von Sprachlichkeit im Mathematikunterricht. Es geht folgenden Fragestellungen nach:


1. Welche fachbezogenen sprachlichen Kompetenzen entwickeln sich bei Kindern vor und während der Schulzeit?

2. Wie entwickelt sich eine fachbezogene sprachliche Kompetenz bei Kindern vor und während der Grundschule?


In der mathematikdidaktischen Forschung sind lediglich isoliert Ansätze zu finden, die sich mit dem sprachlichen Lernen und Lehren im Mathematikunterricht befassen. Ein wesentlicher Fokus der Arbeiten stellt vor allem der sinnvolle Einsatz von Fachsprache im Mathematikunterricht dar. Diese sehr unterschiedlichen Ansätze ergeben zudem kein einheitliches Bild, wie sich eine mathematische Sprachlichkeit entwickelt, und scheinen teilweise wenig empirisch begründet. Die mathematikdidaktische Forschung scheint, die Umstände, in denen Kindern leben und lernen, sowie den daraus resultierenden Zugang zur Sprache weitgehend unbeleuchtet zu lassen. In der Mathematikdidaktik scheinen die Bemühungen, den Unterricht sprachlich zu verbessern, vorwiegend auf der Ebene zu verharren, Aufgabenformate zu entwickeln oder Lernsituationen zu schaffen, in denen eine Fachsprache geübt werden kann. Im Zusammenhang mit der Frage, wie der Grundschulmathematikunterricht alle Schülerinnen und Schüler in formale Aspekte einer Bildungssprache der Schule einführt, stellt sich für den Antragsteller vor allem die Frage, wie Lernende Fähigkeiten erlangen, um Sprache zielgerichtet in der Unterrichtsinteraktion einzusetzen, um so durch aktive Teilnahme Mathematik zu lernen. Schülerinnen und Schüler müssen demnach nicht nur die Sprache des Unterrichts beherrschen lernen, sondern diese auch in angemessener Weise in die soziale Interaktion des Unterrichts einbringen können. Sie benötigen somit interaktive bzw. kommunikative Kompetenzen (vgl. Pimm 1987). Insofern lässt sich eine Forschungslücke identifizieren, die vor der Entwicklung von Aufgabenformaten oder Lernsituationen ergründet wie die Entwicklung einer mathematischen Sprachlichkeit verläuft, um dann im Anschluss zielgerichtet Lösungen zu entwerfen diese Entwicklung zu unterstützen.


Kooperationspartner

Prof. Dr. Götz Krummheuer, Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Didaktik der Mathematik (Bereich: Interpretative Unterrichtsforschung in der Mathematikdidaktik)

Prof. Dr. Gabriele Kaiser, Universität Hamburg, Institut für Didaktik der Mathematik (Bereich: Vergleichsuntersuchungen in der Mathematikdidaktik)

Prof. Dr. Aiso Heinze, IPN Kiel, Abteilung Didaktik der Mathematik (Bereich: Quantitative Methoden und mathematische Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund)

Prof. Dr. Ingrid Gogolin, Universität Hamburg, Institut für International Vergleichende und Interkulturelle Erziehungswissenschaft (Bereich: Bildungssprache und Sprachstandsuntersuchung HAVAS 5)

Prof. Dr. Petra Schulz, Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache (Bereich: Sprachstandsuntersuchung: Lise DAz)