Sprachlicher Umgang mit Raumvorstellung in Grundschule, Kita und der Familie (SpUR)



Seit Januar 2012


Projektleiter

Vertr.prof. Dr. Marcus Schütte, Fachbereich Erziehungswissenschaft 5 – Didaktik der Mathematik, Binderstraße 34, Raum 04a, 20146 Hamburg


Projektkoordinatorin

Nele Oldhaver Fachbereich Erziehungswissenschaft 5 – Didaktik der Mathematik, Binderstraße 34, Raum 04a, 20146 Hamburg


Wissenschaftliche Fragestellung und Stand der Forschung

Die Entwicklung von Raumvorstellungen ist in der uns umgebenden räumlichen Welt von großer Bedeutung. So finden nicht nur nahezu jegliche Handlungen von Individuen in der räumlichen Welt statt, sondern auch kognitive Fähigkeiten, wie Intelligenz oder mathematische Fähigkeiten, werden mittlerweile im Zusammenhang mit dem räumlichen Vorstellungsvermögen gesehen. Wichtig ist dabei, dass breit angelegte frühe Kompetenzen im räumlichen Vorstellungsvermögen nicht nur positive Effekte auf das spätere räumliche Denken haben, sondern auch auf mathematische Leistungen in anderen Teilgebieten (vgl. Lüthje 2010, S. 17; Stern, Felbrich und Schneider 2006). Außerdem bestimmen räumliche Vorstellungen unser Denken und die Sprache. So werden in einer Vielzahl von Metaphern ‚räumliche’ Begriffe im Alltag verwendet, z.B. ‚Hochstimmung‘, ‚obenauf sein‘, ‚etwas nimmt viel Raum ein‘. Ziel ist es dabei, mit konkreten Konzepten oder Begriffen aus dem Gebiet der Raumvorstellung abstrakte Sachverhalte oder Gefühle treffend zu beschreiben. (vgl. z.B. Fthenakis u.a. 2009, S. 77; vgl. auch Lakoff und Johnson 1980). Newcombe und Huttenlocher (2006) gehen einen Schritt weiter und betonen, dass die sprachliche Kodierung des Raums eine zentrale Kompetenz im Bezug auf das räumliche Vorstellungsvermögen ist,

Räumliche Fähigkeiten sind somit zwar unabdingbar für die Entwicklung von Kindern, trotzdem finden raumgeometrische Inhalte noch wenig Beachtung in der Schule. Durch eine fehlende Systematik und die Unterschätzung ihrer Bedeutung werden sie von Lehrpersonen offenbar gemieden. So fokussierte der Geometrieunterricht der Schule lange Zeit fast ausschließlich auf eine Formenkunde und die Betrachtung der Umwelt aus zweidimensionaler Perspektive (vgl. Winter 1976, S. 15; Lüthje 2010, S. 18 f.)

Untersucht man die mathematische Entwicklung von Kindern, so ist es nach Fthenakis et al. (2009, S. 38f.) grundsätzlich notwendig, alle Lernorte des Kindes einzubeziehen. Der sprachliche Umgang mit Raumvorstellung wird nicht nur in der Schule stattfinden, sondern u.a. auch in der Kita und Familie. Daher soll die Bearbeitung der Forschungsfrage, mit einer Innovation der Perspektive verbunden werden. Es soll nicht nur ein Bildungsort von Kindern in den Fokus genommen werden, sondern gleichzeitig Familien, Kindertagesstätten und Grundschulen, wodurch die Perspektive auf das Kind gelegt wird und nicht auf die jeweiligen Lernorte des Kindes. In der vorliegenden Studie wird demnach folgender Forschungsfrage nachgegangen:


1. Welche sprachlichen Umgangsweisen mit Raumvorstellung lassen sich in der Familie, Kindertagesstätte und Grundschule rekonstruieren?

2. Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Lernorte Familie, Kindertagesstätte und Grundschule im Hinblick auf den sprachlichen Umgang mit Raumvorstellung?


Ein Vergleich unterschiedlicher Lernorte im Hinblick auf den sprachlichen Umgang mit Raumvorstellung trägt der ganzheitlichen Entwicklung von Kindern Rechnung und ist gleichzeitig eine Möglichkeit, Förderkonzepte für die Entwicklung von räumlichen Vorstellungsvermögen auf ein umfassendes Fundament zu stellen. Denn das Fernziel unserer gemeinsamen Forschung ist es, aus einer ganzheitlichen Betrachtung des sprachlichen Umgang mit Raumvorstellung Chancen und Risiken zu identifizieren und daraus ein Fortbildungskonzept zu entwickeln, welches die Vernetzung der drei Lernorte voranbringt und Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Grundschullehrende darin unterstützt, gemeinsam die Entwicklung von räumlichem Vorstellungsvermögen zu fördern.


Geplante Kooperationen

Prof. Dr. Gabriele Kaiser, Universität Hamburg, Institut für Didaktik der Mathematik (Bereich: Vergleichsuntersuchungen in der Mathematikdidaktik)

Prof. Dr. Dr. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Professor für Entwicklungspsychologie und Anthropologie an der Freien Universität Bozen — Fakultät für Bildungswissenschaften (Bereich: Frühkindliche Bildung und Konsistenz im Bildungsverlauf)

Prof. Dr. Götz Krummheuer, Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Didaktik der Mathematik (Bereich: Interpretative Unterrichtsforschung in der Mathematikdidaktik)

Dr. Kerstin Tiedemann, Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Didaktik der Mathematik (Bereich: frühe mathematische Lernprozesse in der Familie.)

Prof. Dr. Bert van Oers, Freie Universität Amsterdam, Fakultät für Psychologie und Pädagogik